Ortsgeschichte

Zeichnung historisches Hessigheim
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Zeichnung historisches Hessigheim

Die Gemeinde Hessigheim kann auf eine lange Ortsgeschichte zurückblicken. Die erste schriftliche Erwähnung datiert auf den 25. August 774 - doch die Geschichte der Besiedlung reich weiter zurück. Im Folgenden haben wir Ihnen die wichtigsten historischen Eckdaten der Gemeinde zusammengetragen.

90–260 Unsere Region ist in römischer Hand. Die archäologisch erschlossenen Kastelle und andere Funde in unserer Region belegen dies.


260–500 Um 260 werden die Römer von den Alemannen vertrieben. Die Etymologie (Namensherkunft) unseres Ortsnamens „Hess­ig­heim“ lässt darauf schließen, dass ein gewisser Hasso oder Hesso hier lebte. „Hessingen“ war der alemannische Name für diese erste Siedlung.


500 Um ca. 500 werden die Alemannen wiederum von den Franken „aus dem Feld geschlagen“. „Hessingen“ bekommt die für die Franken typische Endung „­heim“ angehängt. Der Ortsname wird zu „Hessigheim“ quasi verschmolzen.

Erste schriftliche Erwähnung Hessigheims: 25. August 774 (Codex Laureshamensis). Altman aus Hessigheim, besorgt um sein Seelenheil, macht eine Schenkung an den heiligen Nazarius im Kloster Lorsch an der Bergstraße. Vermutlich wurde der Weinbau in Hessigheim vom Kloster Hirsau vorangetrieben.


779 Traditiones Fuldenses: Graf Kunibert vermacht all seinen Besitz in der Main­, Kocher­ und Neckargegend, darunter Besitz aus Hessigheim, dem Kloster Fulda.


1150 (Codex Hirsaugiensis) Berthold von Hessigheim und sein Bruder Wolffgang stiften dem Kloster Hirsau Weinberge. Erkinbert von Thundorf (Bad Kissingen) übergibt seinen ganzen Besitz und die Hessigheimer Kirche dem Kloster Hirsau. Hessigheim gehört, wie Walheim und Löchgau, zur Amtsstadt Besigheim und teilt seit dem 15. Jahrhundert das politische Geschick Besigheims


1200–1463 Hessigheim gehört zur Markgrafschaft Baden. 1463–1504 Hessigheim gehört zur Pfalz.


1504–1529 Hessigheim gehört zu Württemberg. 1529–1595 Hessigheim kommt wieder an Baden zurück.


Ca. 1550 Das Dorf hat ca. 80 bis 100 Haushalte, das lässt auf ungefähr 600 bis 800 Einwohner schließen.


1556 Einführung der Reformation in Baden und damit auch in Hessigheim.


1595 Hessigheim kommt durch Kauf endgültig an Württemberg.


1634/35 Im September 1634 plündern die kroatischen Truppen von Kaiser Ferdinand III. im 30­jährigen Krieg Hessigheim. Die Folge ist eine große Hungersnot. Im Jahr darauf bricht eine Pestepidemie aus, die sehr viele Menschenleben fordert.


18. Jh. Die Hessigheimer Kirche verändert ihr Aussehen. 1756/57 wird das durch einen Orkan zerstörte Fachwerk­Glockengeschoss des Kirchturms in Steinbauweise wieder aufgebaut, 1772 das Kirchenschiff um ein Drittel nach Westen verlängert.


1791 erbaut die Gemeinde ein neues Rathaus in der Rathausstraße 3, als Ersatz für das zu klein und baufällig gewordene ältere Rathaus (Hinterdorfstraße 3).


Am 30. 10. 1824 führt tagelanger Dauerregen im Neckartal zu einem katastrophalen Hochwasser. Der Neckar erreicht den höchsten bis heute bekannten Wasserstand. Das Hochwasser richtet auch in Hessigheim große Schäden an, bis zur Kreuzung Besigheimer Straße/Hinterdorfstraße steht das Wasser.


1831 Die Gemeinde baut 2 öffentliche Backhäuser (in der Angelgasse und in der Mittelgasse).


Ca. 1850 Hessigheim besteht aus 147 Hauptgebäuden und 84 Nebengebäuden (meist Scheunen), die Einwohnerzahl beträgt 1025. Fast alle sind in der Landwirtschaft tätig, bis auf ein paar Handwerker. Im Weinbau ist Trollinger die beliebteste Sorte. Die Bodenpreise für Weinberge sind doppelt so hoch wie für Ackerland.


Frühjahr 1878 Hessigheim erhält eine bessere Verkehrsanbindung – die Straße Besigheim–Hessigheim–Mundelsheim wird ausgebaut. Vorher war die Straße nach Ottmarsheim die wichtigste Verbindung zur „Außenwelt“.


Nach jahrelangen Planungen wird 1896 die erste Brücke über den Neckar eingeweiht, bis dahin waren die Grundstücke über dem Neckar und der Nachbarort Kleiningersheim nur mit einer Fähre zu erreichen. Der zweite Weltkrieg brachte dann das Ende der ersten Hessigheimer Neckarbrücke: sie wurde in den letzten Kriegstagen gesprengt und musste dann bei der Neckarkanalisierung endgültig einer neuen, der heutigen Brücke Platz machen.


1907 Nach Fertigstellung der Wasserleitung muss das Wasser nicht mehr mühsam vom Brunnen geholt werden.


1942 Die Hessigheimer Felsengärten werden zum Naturschutzgebiet erklärt. (1879 – Ausflugsziel)


1950 Gründung der Weingärtnergenossenschaft Hessigheim. 1972 Zusammenschluss der Weingärtnergenossenschaft Hessigheim mit der Weingärtnergenossenschaft Besigheim (zu der bereits die Weingärtner aus Löchgau, Walheim, Bietigheim und Gemmrigheim gehörten) zur „Felsengartenkellerei Besigheim e. G.“, im August 1976 wird das neue Kellereigebäude der Felsengartenkellerei in Hessigheim offiziell eingeweiht.


Ab 1950 wandelt Hessigheim sein Gesicht: Die Neckarkanalisation mit dem Bau der Staustufe Hessigheim (1949–1952) und die Rebflurbereinigungen der 70erJahre verändern das Landschaftsbild um Hessigheim nachhaltig.


15. 11. 1965 Einweihung der neu gebauten Schule.


1972 Die Hessigheimer wehren sich erfolgreich gegen eine Eingemeindung nach Besigheim. Die von der Landesregierung gewollte Verwaltungsreform geht so an Hessigheim vorüber.


1978 „Jahrhunderthochwasser“

Mit der Neckarkanalisierung glaubte man auch die Hochwassergefahr weitgehend gebannt zu haben. Ein Trugschluss, wie sich im Mai 1978 erweisen sollte. Nach starken Regenfällen im ganzen Land stieg der Wasserspiegel des Neckars ab 22. Mai 1978 stark an und erreichte am 24. Mai den höchsten Stand seit 1931. Allein im Landkreis Ludwigsburg wurde der durch das Hochwasser verursachte Schaden auf 20 Millionen DM geschätzt. Einige Menschen mussten aus gefährlichen Situationen gerettet werden, aber es gab glücklicherweise keine Toten. Glück im Unglück hatte auch Hessigheim: an der Staustufe kam es beinahe zu einer Katastrophe, weil sich 2 mit Kies beladene Frachtkähne losgerissen hatten und drohten, auf das Wehr bzw. die Brücke zuzutreiben. Mit dicken Stahlseilen konnten die beiden Schiffe wieder vertäut werden.


1979 Mit zahlreichen Veranstaltungen und einem grandiosen Festumzug begehen die Hessigheimer ihre 1200­Jahr­Feier.


1987 Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Weingärtnerhaus Besigheimer Straße 17 wird nach grundlegender Sanierung eingeweiht und künftig als Rathaus genutzt.


Das alte Rathaus in der Rathausstraße 3 wird saniert und seit 1999 als „Bürgerhaus Altes Rathaus“ von den Vereinen und der Ortsbücherei genutzt. Im Dachgeschoss befindet sich die Hessigheimer Heimatstube.


Im Jahr 2006 waren bei Erdarbeiten im Neubaugebiet des Gewanns „Muckenloch“ mehrere Gräber eines frühmittelalterlichen Bestattungsplatzes zutage getreten. Im Rahmen umgehend anberaumter archäologischer Untersuchungen wurden dann im Friedhofsareal viele weitere Bestattungen freigelegt und doku­mentiert. Die zahlreichen Fundstücke aus den 218 entdeckten Beisetzungen ermöglichten eine exakte Datierung des Gräberfeldes auf den Zeitraum vom beginnenden 6. bis ins 8. Jahrhundert.

Unter den rund 5000 Einzelfunden, darunter Schmuck, Münzen, Waffen, Alltagsgegenstände usw., waren auch aus dem Mittelmeerraum importierte Luxusgüter wie z. B. ein eiserner Klappstuhl. Der spektakulärste Fund war ein mit verzierten Beinplättchen beschlagenes Reliquienkästchen in Form einer Kirche, das aus einem einst reich ausgestatteten Frauengrab geborgen wurde. In Deutschland ist bislang kein ähnliches Exemplar gefunden worden, ein vergleichbares Kästchen, das vermutlich aus Italien stammt, befindet sich in St. Petersburg.

2007 Die Ausgrabungen in Hessigheim wurden Ende 2007 abgeschlossen. Im Anschluss daran erfolgte eine aufwendige Restaurierung und Konservierung wesentlicher Stücke durch die Fachleute.